Simone Böhm

Simone Böhm

13. Juni 2022
Juni 2022
Alter: 55
Wohnort:
Blankenheim- Freilingen
Beruf:
Hausfrau mit zahlreichen Nebentätigkeiten und akademischem Abschluss
Arbeitgeber:
/
Hobbys:
Garten; kreatives Schreiben für WiF (Freilinger Internetseite)

Ehrenamtliche Tätigkeit

Vorsitzende Vereinskartell Freilingen: zuständig für die Freilinger Internetseite, den kostenlosen Geschirrverleih „TischleinDeckDich“ und das Projekt ökologische Dorfentwicklung Freilingen; Mitglied im Musikverein Freilingen (inaktiv) und Dorfverein Freilingen

Tätigkeitsort:

Freilingen

Ehrenamtlich tätg seit:

1999

Was bedeutet das Ehrenamt für Sie?

„Eigentlich mag ich den Begriff Ehrenamt nicht wirklich. Das klingt zu bürokratisch und emotionslos, „Herzenssache“ trifft es da schon eher. Im Grunde geht es immer um die eigene Zeit und Energie, die man persönlich bereit ist, für eine bestimmte Sache aufzubringen, die anderen bzw. der Gemeinschaft zugutekommt. Das macht man nur, wenn einem der Einsatz tatsächlich am Herzen liegt und man sich gerne einbringen möchte. Ohne solche gesellschaftliche Verantwortung des Einzelnen würde unser Zusammenleben nicht funktionieren, da es viele Bereiche gibt, die nur durch privates Engagement abgedeckt werden. Ehrenamt ist daher in unserer Gesellschaft wertvoll und unverzichtbar. Ich bin dankbar, dazu beitragen zu können.“

Wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen?

„Zum Ehrenamt im Sinne der Vereinsarbeit bin ich rein zufällig gekommen. 1999 habe ich als Elternvertreterin auf einem Kindergartenfest die Rede zur Verabschiedung der Kindergartenleiterin gehalten. Offenbar stieß meine (humorvolle) Ansprache auf so großes Gefallen, dass der damalige Vorsitzende des Musikvereins, nicht zuletzt wohl auch mit Blick auf meine juristischen Kenntnisse, fragte, ob ich nicht den Vorsitz im Vereinskartell Freilingen übernehmen wolle, da der bisherige langjährige Vorsitzende sein Amt aufgeben wollte. Meine Überraschung war damals groß, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einem Verein in Freilingen angehörte, geschweige denn Vorstandsarbeit kannte. Warum ich mich, auch weil es einigen Widerstand im Verein selbst gab, damals darauf einließ und inaktives Mitglied im Musikverein wurde, um überhaupt formell den Vorsitz im Vereinskartell übernehmen zu können, kann ich heute gar nicht mehr genau sagen. Als Mutter von drei kleinen Söhnen sah ich wohl die Chance, einen notwendigen Strukturwandel bzw. Erneuerungsprozess im Vereins- und Veranstaltungswesen begleiten und damit auch die Zukunft meiner Kinder in der dörflichen Gemeinschaft mitgestalten zu können. Dass daraus über 20 Jahre Vereinsvorsitz (9 Jahre davon parallel noch Ortsvorsteherin und stellvertretenden Bürgermeisterin) werden, hätte ich mir damals jedenfalls nicht träumen lassen.“

Was macht Ihnen am Ehrenamt Spaß?

„Das Schöne am Ehrenamt ist, dass jeder sich mit seinen Ideen und Fähigkeiten in irgendeiner Weise einbringen kann, ich z.B. durch meine gärtnerischen, journalistischen und juristischen Erfahrungen. Dadurch arbeiten viele verschiedenen Köpfe und Hände zusammen und bewirken am Ende etwas Gutes für die ganze Gemeinschaft. Es ist einfach wunderbar, wie viel man zusammen erreichen kann, wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet und dabei auch die Kreativität des Einzelnen genutzt werden kann. Die größte Freude habe ich, wenn plötzlich auftretende Probleme oder Herausforderungen durch spontanes Zusammenarbeiten unbürokratisch und effizient gemeistert werden können.“

Was war Ihr schönstes Erlebnis?

„Das ist eine schwierige Frage, da es in den letzten 20 Jahre sehr viele berührende Momente gab, zuletzt bei der Verleihung des Landesheimatpreises an unseren Verein. Ein kleiner Junge meinte einmal nach einer Veranstaltung zu mir, dass er auch später Vereinskartellsvorsitzender werden wolle. Das war auf jeden Fall das schönste Kompliment. Ein wunderbares Erlebnis war sicherlich unsere Spendenaktion bei der letztjährigen Kunst im Garten Veranstaltung auf dem Dorfplatz. Es hat den ganzen Tag stark geregnet und dennoch kamen unheimlich viele Leute und haben uns mit großer Verzehrlaune und einer hohen Spendenbereitschaft unterstützt. Am Ende konnten wir einer von der Flut stark betroffenen siebenköpfigen Familie eine Spende von 3.000 € überreichen. Deren Freude und Dankbarkeit stimmte sehr demütig, aber auch glücklich, in dieser Notsituation helfen zu können.“

Warum sollten andere Menschen dieses Ehrenamt auch machen?

„Meiner Meinung nach wird das klassische Ehrenamt zu vereinsbezogen gesehen. Viele Menschen würden sich mehr engagieren, möchten aber nicht unbedingt Mitglied in einem Verein werden, sondern lieber projektbezogen arbeiten. Jeder sollte etwas finden können, was es ihm wert ist, seine Freizeit und seine Energie dafür zu investieren. Da sind wir auch als Verein gefragt, kreative Ansätze zu finden und auf die Menschen mehr zuzugehen. Denn unsere Gesellschaft braucht viele ehrenamtliche Unterstützer, da die Herausforderungen in den nächsten Jahren nicht weniger werden: die Mitgliedszahlen in den Vereinen gehen zurück, finanzielle Mittel sind begrenzt und die vom Ehrenamt geforderten Aufgaben nehmen zu. Andererseits stärkt das Zusammenwirken, ob im Verein oder nur bei einzelnen Projekten, ungemein das Gemeinschafts- und Heimatgefühl. Deshalb sollten sich so viele wie möglich ehrenamtlich engagieren, wie und in welchem Umfang auch immer.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

„Für die Zukunft wünsche ich mir in Bezug auf das Ehrenamt, dass es weiterhin gelingt, viele Menschen für ein freiwilliges, soziales Engagement zu gewinnen. Dass dies möglich ist, haben die Coronapandemie und auch die Flutkatastrophe gezeigt, die unheimlich viel Solidarität und Mithilfe erzeugt haben und wodurch die Menschen wieder näher zusammengerückt sind. Es muss ja nicht unbedingt immer eine Krise sein, die einen zum Mitmachen animiert. Unsere Gemeinschaft braucht Engagement: ob in den Freiwilligen Feuerwehren bzw. dem Rettungsdienst, in den verschiedenen Vereinen wie Musik-, Sport- oder Dorfverein oder auch bei privaten Aktionen und Projekten auf den Dörfern. Es wäre wünschenswert, dass hier viele ihren Platz und ihr Thema finden und dafür auch die gebührende Wertschätzung in der Gesellschaft erhalten. Da reicht schon ein einfaches Danke, das ich an dieser Stelle gerne einmal an alle ehrenamtlich Engagierten aussprechen möchte.“

Die Projekte/ Vereine in Kürze:

Das Projekt in Kürze: Dem Vereinskartell Freilingen gehören fünf Vereine an, es plant und organisiert verschiedene traditionellen Veranstaltungen, z.B. Seniorenfahrt, Kirmes, Kunst im Garten, St. Martin, Nikolaus, Adventszauber und vereinsübergreifende Projekte und Aktionen, z.B. Pflanzungen, Krimilesungen. Das Vereinskartell betreibt ein von 2009-2011 in Eigenleistung umgebautes Bürgerhaus für Veranstaltungen, Vereinsaktivitäten, Sportangebote und private Feiern und Feste. Ein wichtiger Punkt der Vereinsarbeit ist die Internetseite www.wir-in-freilingen.de, eine interaktive digitale Informationsplattform für die Dorfbevölkerung von Freilingen, aber auch Gäste, Besucher und Interessierte. In den letzten Jahren wurde großer Wert auf Nachhaltigkeit und Projekte mit ökologischem Bezug gelegt. So wurden bereits 2002 in Freilingen Becher und Teller/Besteck für die dorfeigenen Feste gesammelt. Dieser Ansatz wurde 2020 zum kostenlosen, überregionalen Geschirrverleih „Tischlein Deck Dich“ ausgebaut. Zudem wurde das vielfältige Ökologische Dorfentwicklungskonzept initiiert, das sowohl mit dem Heimatpreis der Gemeinde Blankenheim als auch dem Landesheimatpreis NRW ausgezeichnet wurde.

Weitere Angaben auf der Internetseite https://www.wir-in-freilingen.de/

oder bei Facebook: Wir in Freilingen – WiF https://www.facebook.com/WirInFreilingen

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